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Suchtverlagerung

Themen
Suchtverlagerung
 

 
Suchtverlagerung bei Alkohol tritt auf, wenn Betroffene nach dem Absetzen von Alkohol unbewusst auf ein anderes Suchtmittel oder ein süchtiges Verhalten ausweicht, um das entstandene emotionale oder körperliche Vakuum zu füllen. Da die psychischen Ursachen der Abhängigkeit (wie Stress oder unverarbeitete Konflikte) oft weiterbestehen, sucht sich das Gehirn neue Wege zur kurzfristigen Belohnung oder Betäubung.
 
 
Häufige Formen der Suchtverlagerung nach dem Alkoholentzug sind:
 
  • Stoffgebundene      Verlagerung: Vermehrter Konsum von      Nikotin (Rauchen), Medikamenten, illegalen Drogen oder exzessivem Essen      (insbesondere Süßigkeiten).
  • Verhaltensbezogene      Verlagerung: Übersteigerte      Beschäftigung mit Arbeit (Workaholismus), exzessiver Sport, Mediensucht      (z.B. Gaming) oder zwanghaftes Kaufverhalten.
  • Psychotherapie: Identifizierung von Auslösern (Triggern) und      Erlernen gesunder Bewältigungsmechanismen für Stress und negative      Emotionen.
  • Achtsamkeit      & Skills: Nutzung von kurzfristigen      Strategien gegen Suchtdruck, wie scharfes Essen, körperliche Betätigung oder      Entspannungsübungen.
  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen      (z.B. Die Neue Basis e.V. ), um Muster der Suchtverlagerung frühzeitig      zu erkennen.
  • Ärztliche      Begleitung: Einsatz von      Anti-Craving-Medikamenten (z.B. Naltrexon) kann unter ärztlicher Aufsicht      helfen, das Verlangen zu dämpfen.
  • Substanzgebunden: Häufig greifen Abstinente vermehrt zu Nikotin,      Koffein oder Zucker. Auch die missbräuchliche Einnahme von Beruhigungs-      oder Schmerzmitteln ist ein hohes Risiko.
  • Verhaltensgebunden:
  • Sport: Körperliche Aktivität setzt Glückshormone frei       und wird oft als "gesunder Ersatz" genutzt, kann aber in       eine Sportsucht umschlagen, wenn sie zwanghaft betrieben wird.
  • Arbeit: "Workaholismus" dient oft der       Ablenkung und zur Erlangung von Bestätigung, die zuvor fehlte.
  • Andere: Exzessives Gaming, Kaufrausch oder zwanghaftes       Essverhalten.
  • Maßlosigkeit: Sie können bei der neuen Tätigkeit (z. B. Sport,      Gaming, Süßigkeiten) nicht aufhören, selbst wenn Sie erschöpft sind oder      es Ihnen nicht mehr gut tut.
  • Steigerung: Sie brauchen immer mehr Zeit, höhere Intensität      oder größere Mengen, um die gleiche Befriedigung oder Entspannung zu      spüren.
  • Stimmungsregulation: Die Tätigkeit dient ausschließlich dazu, Stress,      Einsamkeit oder Frust zu bewältigen. Ohne sie fühlen Sie sich unruhig,      gereizt oder leer.
  • Gedankliche      Fixierung: Ihr Alltag kreist      gedanklich ständig um die nächste Gelegenheit, der neuen Beschäftigung      nachzugehen.
  • Sozialer      Rückzug: Freunde, Familie oder Verpflichtungen      werden vernachlässigt, weil die neue „Leidenschaft“ Priorität hat.
  • Leistungseinbußen: Arbeit oder Haushalt leiden unter dem zeitlichen      Aufwand der neuen Gewohnheit.
  • Verheimlichung: Sie fangen an, das Ausmaß der neuen Beschäftigung      vor anderen zu verbergen oder zu beschönigen.
  • Schlechtes      Gewissen: Nach der Ausübung fühlen      Sie sich schuldig, ähnlich wie früher nach dem Alkoholkonsum.
  • Selbstbeobachtung: Führen Sie ein Stimmungstagebuch, um      Zusammenhänge zwischen Gefühlen und dem neuen Drang zu erkennen.
  • Balance      finden: Integrieren Sie bewusst      Pausen und verschiedene Aktivitäten, statt sich auf eine einzige Sache zu      fokussieren.
  • Professioneller      Rat: Sprechen Sie das Thema in      Ihrer Selbsthilfegruppe oder bei Ihrer Suchtberatungsstelle offen an.
  • Feste      Aufsteh- und Zubettgehzeiten: Schlafhygiene      stabilisiert den Hormonhaushalt und reduziert Suchtdruck.
  • Mahlzeiten-Taktung: Essen Sie zu festen Zeiten. Hunger ist ein      klassischer Trigger für Reizbarkeit und Suchtverlangen.
  • Morgen-Routine: Starten Sie mit 10 Minuten ohne Smartphone (z. B.      Lüften, kurzes Dehnen), um den Fokus bei sich selbst zu behalten.
  • Leistung      (8h): Arbeit, Haushalt,      Besorgungen.
  • Regeneration      (8h): Schlaf und echte      Ruhephasen (Meditation, Lesen).
  • Freizeit      & Soziales (8h): Hobbys      und Kontakte, die nichts mit Suchtmitteln zu tun haben.
  • Sinnliche      Reize: Ein heißes Bad, gute      Musik oder ein besonderer Tee.
  • Mikro-Erfolge: Erledigen Sie eine Aufgabe, die Sie lange      aufgeschoben haben (und sei sie noch so klein).
  • Bewegung      an der frischen Luft: Ein      20-minütiger Spaziergang wirkt oft besser gegen Unruhe als intensives      Power-Workout, das zur Ersatzsucht neigt.
  • Alternativ-Aktivität: Legen Sie vorher fest, was Sie in dieser      kritischen Stunde tun (z. B. ein Telefonat führen, ein Kapitel lesen).
  • Reiz-Abschirmung: Meiden Sie Orte oder Situationen, die stark mit      alten Gewohnheiten verknüpft sind.
  • Wochenpläne: Nutzen Sie Vorlagen für Tages- und      Wochenstrukturpläne, um Verbindlichkeit zu schaffen.
  • Achtsamkeits-Apps: Tools wie 7Mind oder Headspace helfen, Pausen aktiv zu      gestalten.
  • Der      Übergangs-Ritus: Schaffen Sie eine klare      Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Das kann ein Kleiderwechsel sein,      eine Dusche oder 15 Minuten laute Lieblingsmusik.
  • Getränke-Management: Ersetzen Sie das alkoholische Getränk durch ein      rituelles alkoholfreies (z. B. Tonic Water mit Gurke, spezieller Tee).      Wichtig: Nutzen Sie keine Weingläser, um das      "Suchtgedächtnis" nicht zu triggern.
  • H.A.L.T.-Check: Prüfen Sie bei aufkommendem Suchtdruck sofort:      Bin ich Hungrig, Ausgelaugt/Ängstlich, Lonely      (Einsam) oder Tired (Müde)? Meist lässt sich der Drang durch      Essen oder 20 Minuten Schlaf stoppen.
  • Ehrlichkeit      gegenüber Vertrauten: Weihen      Sie enge Freunde ein ("Ich trinke nicht mehr"). Echte Freunde      unterstützen das. Wer Sie zum Trinken animiert, ist aktuell kein guter      Kontakt für Ihre Stabilität.
  • Aktivitätsfokus      statt Kneipenfokus: Schlagen      Sie Treffen vor, bei denen die Aktivität im Vordergrund steht: Bowling,      Kino, Billard, Wandern oder gemeinsam Kochen.
  • Die      "Exit-Strategie": Wenn      Sie auf eine Feier gehen, planen Sie vorher, wie Sie gehen, falls es      unangenehm wird (eigenes Auto, feste Ausrede). Gehen Sie früh, bevor die      anderen einen Pegel erreichen.
  • Neue      Kreise: Besuchen      Sie Selbsthilfegruppen oder Vereine. Hier lernen Sie Menschen in      einem Umfeld kennen, das nicht primär um Alkohol kreist.
  • Kühlschrank-Check: Sorge dafür, dass keine Alkoholvorräte im Haus      sind, aber genug attraktive Alternativen (kalter Saft, Ginger Beer,      alkoholfreie Schorlen).
  • Satt      sein: Hunger verstärkt      Suchtdruck. Plane ein leckeres, nahrhaftes Abendessen fest ein.
  • Der      "Telefon-Joker": Verabrede      dich vorab mit einer vertrauten Person (Freund oder jemand aus      der Selbsthilfegruppe), die du im Falle von Suchtdruck anrufen      darfst.
  • Ortswechsel: Verlasse nach der Arbeit/dem Alltag kurz das Haus      (Spaziergang), um das "Feierabend-Gefühl" physisch zu markieren.
  • Frühzeitige      Entscheidung: Leg dich vorab fest:      „Heute Abend bleibe ich nüchtern.“ Diese einmalige Entscheidung spart dir      die ständige innere Diskussion während des Abends.
  • Warten: Suchtdruck kommt in Wellen. Er hält meist nur      15–30 Minuten an.
  • Skills      einsetzen: Wenn der Drang kommt:      Kaue einen extrem scharfen Kaugummi, iss eine saure Zitrone oder mache 20      Liegestütze. Dieser starke körperliche Reiz unterbricht die      Gedankenschleife (siehe Skill-Listen zur Emotionsregulation).
  • Visualisierung: Stell dir das Gefühl am nächsten Morgen vor:      wach, ohne Kater, stolz auf dich selbst.
  • Vorbereitete      Antwort: „Ich trinke heute nichts,      ich muss morgen früh raus“ oder „Ich trinke aktuell generell keinen      Alkohol.“ Du musst dich nicht rechtfertigen.
  • Eigener      Weg: Sorge dafür, dass du      jederzeit unabhängig nach Hause kommst (eigenes Auto, ÖPNV-App bereit).
 
Strategien zur Vermeidung und zum Umgang
 
Um eine Verlagerung zu verhindern, ist es entscheidend, nicht nur das Suchtmittel wegzulassen, sondern die Hintergründe der Sucht therapeutisch aufzuarbeiten.
   
Suchtverlagerung während der Alkoholabstinenz
 
bezeichnet das Phänomen, dass Betroffene das Trinken zwar einstellen, aber unbewusst eine neue Abhängigkeit entwickeln. Da die tieferliegenden psychischen Ursachen der Sucht (wie Stress oder unverarbeitete Traumata) oft ungelöst bleiben, sucht das Gehirn nach alternativen Wegen, um das Belohnungssystem zu stimulieren oder negative Gefühle zu betäuben.
 
Erscheinungsformen der Verlagerung
 
Man unterscheidet zwischen dem Wechsel auf andere Substanzen und dem Ausweichen auf exzessive Verhaltensweisen:
   
Prävention und Bewältigung
 
Um eine dauerhafte Stabilität ohne Ersatzsucht zu erreichen, stehen folgende Ansätze im Fokus:
 
1.    Ursachenarbeit: Eine Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie) hilft dabei, die Funktion des Alkohols zu verstehen und gesündere Bewältigungsstrategien zu erlernen.
 
2.    Rückfallprävention: Das Erkennen von Risikosituationen und der Einsatz von Ablenkungstechniken bei akutem Suchtdruck sind essenziell.
 
3.    Soziale Unterstützung: Der Austausch in Selbsthilfegruppen bietet eine Plattform, um Verhaltensmuster frühzeitig zu reflektieren.
 
4.    Ganzheitliche Lebensumstellung: Der Aufbau neuer Hobbys und sozialer Kontakte, die nicht mit Suchtmitteln verknüpft sind, stärkt die Abstinenzmotivation.
 
wenn das alte Suchtmittel (Alkohol) wegfällt, schleicht sich die neue Abhängigkeit oft getarnt als „Hobby“ oder „Belohnung“ ein. Das Gehirn nutzt dabei denselben neuronalen Pfad wie zuvor.
 
Hier sind die zentralen Warnsignale, die auf eine beginnende Ersatzsucht hindeuten:
 
1. Die "Alles-oder-nichts"-Mentalität
   
2. Emotionale Abhängigkeit
   
3. Vernachlässigung anderer Lebensbereiche
   
4. Heimlichkeit und Schuldgefühle
   
Was Sie jetzt tun können
 
Sollten Sie diese Signale bei sich bemerken, ist dies kein Scheitern der Abstinenz, sondern ein Zeichen, dass die psychische Entlastung noch fehlt.
   
Tipps für eine ausgewogene Tagesstruktur
 
Eine strukturierte Tagesgestaltung ist das wichtigste Werkzeug, um das gefürchtete „Vakuum“ nach dem Alkoholentzug zu füllen und das Gehirn vor impulsiver Ersatzsuche zu schützen.
 
Hier sind konkrete Ansätze für eine stabile Routine:
 
1. Das Anker-Prinzip
 
Schaffen Sie feste Fixpunkte, die Ihrem Tag Halt geben, unabhängig von Ihrer Motivation:
   
2. Die Drittel-Regel
 
Teilen Sie Ihren Tag bewusst in drei Blöcke auf, um Einseitigkeit (wie Workaholismus) zu vermeiden:
   
3. Belohnung ohne Rausch
 
Suchen Sie gezielt nach "kleinen Inseln", die das Belohnungssystem sanft stimulieren:
   
4. Notfallplan für "Löcher"
 
Planen Sie bewusst die Zeiten ein, in denen Sie früher getrunken haben (z. B. der Feierabend):
   
Hilfreiche Tools zur Planung:
   
Da der Feierabend und das Wochenende oft die kritischsten Phasen sind, ist hier entscheidend, die „Sauf-Struktur“ durch eine Aktiv-Struktur zu ersetzen.
 
Umgang mit kritischen Tageszeiten (Der "After-Work"-Trigger)
 
Oft ist es die Zeit zwischen 17 und 20 Uhr, in der das Gehirn auf "Entspannung durch Alkohol" programmiert war.
   
Soziale Kontakte stabil integrieren
 
Sucht isoliert. Der Wiederaufbau eines sozialen Netzes braucht Zeit und klare Grenzen.
   
1. Die Vorbereitung (Prävention)
   
2. Die kritische Phase (Die "Umschaltzeit")
   
3. Akut-Strategien bei Suchtdruck (Das 15-Minuten-Prinzip)
   
4. Die Exit-Strategie (Falls du unterwegs bist)
   
Dein Plan für einen sicheren Abend allein
 
1. Die Umgebung vorbereiten
 
Gemütlichkeit schaffen: Mache es dir zu Hause gemütlich. Zünde vielleicht eine Kerze an, höre entspannende Musik oder sorge für angenehmes Licht.
 
Ordnung schaffen: Ein aufgeräumter Raum kann zu einem klaren Kopf beitragen. Nimm dir kurz Zeit, um deine Umgebung in Ordnung zu bringen.
 
2. Das Gehirn beschäftigen (Aktiv-Phase)
 
Hobbys und Interessen: Nutze die Zeit für Aktivitäten, die dir Freude bereiten. Das kann Lesen, Malen, Stricken, Musik machen, ein neues Rezept ausprobieren oder auch ein Online-Kurs sein.
 
Bewegung: Leichte Bewegung kann Wunder wirken. Mache einen Spaziergang, eine Yoga-Einheit zu Hause oder tanze einfach zu deiner Lieblingsmusik.
 
Medien bewusst wählen: Entscheide dich für Filme, Serien oder Dokumentationen, die dich interessieren und positiv stimmen.
 
3. Verbindung suchen, wenn nötig
 
Virtuelle Treffen: Verabrede dich virtuell mit Freunden oder Familie. Ein Videoanruf kann das Gefühl der Einsamkeit reduzieren.
 
Online-Communities: Tritt Online-Gruppen bei, die deine Interessen teilen. Das kann ein Lesezirkel, eine Gaming-Community oder eine Gruppe für ein bestimmtes Hobby sein.
 
4. Achtsamkeit und Selbstfürsorge
 
Entspannungstechniken: Probiere Achtsamkeitsübungen, Meditation oder Atemtechniken, um zur Ruhe zu kommen.
 
Selbstmitgefühl: Sei freundlich zu dir selbst. Es ist in Ordnung, sich manchmal einsam zu fühlen. Akzeptiere das Gefühl, ohne dich davon überwältigen zu lassen.
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Verantwortlich:
Bernd Merz
dnb(@)gmx.net
01520 1963400


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